Monat: November 2014

Kickstart

„Es ist Zeit zum Aufstehen, aber Sie bekommen Ihre Augen nicht auf? Jemand hat das Tageslicht eingeschaltet, ohne Sie zu fragen? Ihr Hirn bootet nur mühsam, und die Subroutinen laufen extrem schleppend durch? Sie wünschen sich eine symbiotische Verbindung mit Ihrem Bettlaken und Ihrer Decke?

Das ist vorbei! Denn hier ist der ultimative Kickstart in Ihren Tag:

Gehen (schlafwandeln, krabbeln, wanken) Sie in Ihr Bad. Beginnen Sie mit Ihrer üblichen Morgenroutine zur Menschwerdung, Wiederherstellung und Restauration. Vertrauen Sie hierbei Ihren eingeübten Bewegungen und Abläufen, das kann Ihr Körper alleine, ohne den Großrechner im obersten Stockwerk zu bemühen.
Wenn Sie fertig sind, greifen Sie – ordentlich, wie Sie sind – zum Lappen, um das sauber und trocken vorgefundene Waschbecken ebenso zu hinterlassen. Routinen, ja?
Heben Sie dabei auch den Seifenspender hoch, aber Achtung! Greifen Sie diesen nur oben am Spender, nicht am Behälter. Halten Sie den Seifenspender aus dem Weg, um trockenzu….

Wir garantieren Ihnen, nach der Erkenntnis, dass der untere Teil des sehr vollen Seifenspenders dem Gesetz der Gravitation gehorcht (Millisekunden) und dem Moment, wenn Sie sich bewusst werden, dass Sie gerade die sich auf dem Boden verteilende Flüssigseife beobachten (10 Sekunden) werden Sie ihn spüren, den Kickstart, das ultimative Hallowach, den einsetzenden Blutdruck und die pure Energie! Lassen Sie sich das nicht entgehen!

Exklusiv für Sie getestet!

Und wir haben noch weitere gute Nachrichten für Sie und für Ihren Tag!
Erstens: Sie hassen Plastik, aber heute freuen Sie sich, dass sich nicht tausend Glasscherben in Ihrem Badezimmer verteilen!
Und zweitens: Sie haben gut gezielt! Die Seife hat sich nur auf den Fliesen verteilt, nicht auf dem Badteppich und darunter! Sie können alles wunderbar aufwischen!
Das Leben ist schön!“

DAMN!

Bonuslevel: Gehen Sie in den Drogeriemarkt und kaufen Sie den verdammten Seifenspender neu, weil ihrer ja nun doch gewisse Undichtigkeiten zeigt.

„Güv mi mol di ‚Tang!“

Heute also Tu-Du-Listen-Punkt abarbeiten: Balkon aufräumen und winterfest machen. Natürlich nicht schon vor ein paar Tagen, als noch schönstes Sonnenwetter war, nein, das muss ja bei Assel-Wetter mit Regen und Wind und Kalt sein … nagut, wat mutt dat mutt!
Also erstmal die Beleuchtung runter, Zange in die Hand, aufs Leiterchen gestiegen und Kabelbinder durchgeknipst. Ich hab mit einer Zange in der Hand immer, wirklich immer diesen Satz da oben im Kopf. Original Meister Röhrich!
Die Lösung für so Manches ist auch nicht 42, sondern – Kabelbinder!! Viele davon! *knips* *knips*
Dann vorsichtig die Kletterpflanzen aus dem Klettergerüstidings befreit, die Balkonkästen runtergehoben, den (sch…schweren) Flieder aus der Sicherheitsleine gelassen und alles fein an die Hauswand gerückt.

*schepperskrietsch*

Äh? Wasn nu passiert, so breit ist mein Hintern doch auch nicht?! Vorsichtig umgedreht, oh, Amselbesuch auf der Balkonbrüstung (Vogelkrallen auf Blech, das hört sich aber auch an wie Schiefertafel …).

Frau Amsel guckte allerdings SEHR vorwurfsvoll, was mir denn eigentlich einfiele, ihren schönen Aussichtsplatz wegzuräumen. Also, wirklich VORWURFSVOLL. In Großbuchstaben! Und fing an zu zetern!
„Äh, ‚tschuldigung Frau Amsel, aber mein Balkon? Kalt, Winter im Anmarsch und die Pflanzen leiden …?“

Frau Amsel flog weg auf den nächsten Baum und fing glatt nochmal an zu zetern!

Und ich bin sehr, sehr sicher, dass das Amselpärchen, das sich kurze Zeit später auf dem Balkon einfand, dieselbe Amseldame mit Eheamslerich war! Bestimmt ist sie entrüstet zu ihm Mann geflogen: „Klaus-Dieter! So eine Frechheit! Das musst Du Dir anschauen! Mein schöner Balkon! Der schöne Aussichtsplatz im Blumenkasten, einfach weggemacht! Komm, jetzt sofort, schau Dir das an, das ist doch wohl un-glaub-lich!“

Sie guckte immer noch entsetzt, er war eher so „nujoh, reg dich doch net uff, dafür gibts doch hier lecker Vogelfutter“. Eben, ich bin ja gar nicht so! 🙂

 

Kompaniekochen

Womit wir wieder beim Thema wären …
Ich geb’s zu: Ich kann nicht für ein Leut (oder für zwei Leute) kochen – es werden immer mindestens vier Portionen.

Gestern Abend dann Pastinaken-Möhren-Kartoffel-Pfanne, in diesem Fall noch mit Hähnchenbrustfilet.

In der Entstehung:
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Vorher natürlich die Hiwi-Arbeit: Alles schön schälen und kleinschneiden, in diesem Fall ein Stück Hähnchenbrustfilet (ohne Schälen *ähem*), zwei Möhren, zwei Kartoffeln, drei Pastinaken und eine kleine Zwiebel. Dann zuerst das Hähnchen scharf anbraten, die anderen Gemüse dazugeben, kurz mit anbraten und mit Gemüsebrühe ablöschen. Würzen mit dem, was schmeckt und der Gewürzschrank hergibt, in meinem Fall Salz, Pfeffer, Curry, Thymian, Majoran und Sojasoße. Das ganze braucht etwa 20 Minuten, bis alles gar ist. Am Schluß noch ein, zwei Schlückchen Zitronensaft (in das Essen, nicht in den Koch!), passt hervorragend.

Auf dem Bild ist auch gut zu erkennen, dass der Ofen aussieht wie Sau. Ich hätte vielleicht besser vor dem Fotografieren einmal kurz gefeudelt. Egal, Essen ist wichtiger.

Zwischendurch:

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Jetzt war auch Zeit zum Klar-Schiff-machen.
Äh, ja, ziemlich voll, die Pfanne, Kompaniekochen und Klein-AnnJ allein zuhaus? Finde den Fehler …

Am Schluss:

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Essen fassen!

Balkongedanken (2) – Prägungen

„Ich möchte nie so werden wie meine Eltern!“ – Diesen Satz haben wohl die meisten von uns schon einmal gedacht, gesprochen, geschrieben – ich auch, oft genug mit Ausrufezeichen.

Das Pflichtbewusstsein freudestrahlt „hallo-ho“, die in der Wohnung angesammelte Handarbeitsleidenschaft grinst wissend vor sich hin, feixend steht das „DaskannmandochsonichtlassendasgehtdochnichtwassollendenndieLeutedenken“ mitten im Weg, brettlbreit fläzt das Ehefrauen-Ehrgefühl rum und die misanthropische Ader grätscht auch ab und zu dazwischen.

Surprise, surprise – vergesst das mit dem „nicht so werden wollen wie die Eltern“!
Auch wenn wir vieles anders machen, anders machen können und uns sehr viel mehr Optionen zur Verfügung stehen – moderne Zeiten eben -, sind wir doch das Produkt unserer Eltern.

Wer und wie bin ich, und warum bin ich so wie ich bin? Verschiedene Inputs lösen aktuell bei mir Selbstreflektion aus. Einerseits freue ich mich, ein Wort dafür zu haben, das mir mein Leben im nachhinein ein bisschen verständlicher macht und das ich nicht groß anderen erklären muss, die in der gleichen Liga spielen: Kriegsenkel!*
Andererseits frage ich mich ironisch „Na, haste jetzt auch endlich ein Label für dich gefunden? Das ist aber bequem, was?“

Ich stelle fest: Es ist kompliziert. Die Verantwortung einfach auf unsere Altvorderen zu schieben, ist zu simpel, denn für unser Leben sind wir ab einem gewissen Alter selbst und höchstpersönlich zuständig. Aber dennoch spiegelt vieles von dem, was mein Leben prägt,  das Leben meiner Eltern wider.
Das fängt damit an, dass wir drei Geschwister von zuhause ausgezogen sind, sobald wir volljährig waren. Bloß weit weg! – Ach guck, die Eltern waren im selben Alter, als sie ihre Elternhäuser verlassen haben?
Das geht zum Beispiel weiter damit, dass in unserer Familie jeder für sich allein kämpft und Kontakte unter uns Geschwistern nur rudimentär bestehen. – Öhm, das war bei Maman ja auch nicht anders, und der Vater als Einzelkind … wie denn auch?
Und es endet noch lange nicht damit, dass ich (ebenso wie meine beiden Brüder) ohne Rücksicht auf körperliche Auszeitsignale pflichtbewusst Dienst tue, notfalls mit Fieber und auf Krücken. Das war schon in der Schule so und ich glaube, ich habe in über 20 Jahren Arbeitsleben nur eine einzige Krankmeldung über 3 Tage abgegeben. – Auch da fällt der Apfel nicht weit vom Birnbaum, weil „Was sollen denn die Leute denken?!“.

Es tut gut, solche Muster zu erkennen und festzustellen, dass man dagegen angehen kann. Das ist harte Arbeit und nicht immer leicht, aber: Nein, ich bin kein schlechter Mensch, wenn ich mit Erkältung mal im Bett bleibe, ich bin gerade ein Bazillen-Mutterschiff und gehöre in Quarantäne! Ja, wir Geschwister sehen und hören uns selten, aber im Notfall stehen wir zusammen gegen den Rest der Welt!
Nur so zum Beispiel.

Und dann kann man auch lächelnd manche übernommenen Handlungsweisen akzeptieren und damit klarkommen.
AnnJ geht jetzt ’ne Runde an die Nähmaschine, mit Kaffee! (Ja Maman, ich sammel die Fädchen und Schnipsel dann schon weg!)

🙂

 

* Der Ausdruck Kriegsenkel stammt von der Autorin Sabine Bode, die mir mit ihren Büchern über Kriegskinder und Kriegsenkel viele Denkanstöße gegeben hat.