My 2 Cents

Dafür, genau dafür liebe ich Bloggerhausen:

Textile Geschichten

Frau Frauchen

Vorspeisenplatte

Ringelmiez

Die Kuchenbäckerin

Buchstäblich

Querdenkmal

Secs Plaudereien

Und noch viele, viele andere. Ich lese und lese, folge einem Link nach dem anderen und bin froh, dass andere alles so viel besser ausdrücken können als ich es kann, es auch tun und mich mit Argumenten und Fakten füttern.

Ich halte mich selbst nämlich nun nicht gerade für einen politisch wissenden Menschen. Kommt das Thema in der Familienrunde auf die Politik, habe ich ganz schnell das Gefühl, dass es über Stammtischgeschwätz nicht weit hinausgeht. Was mein Schwiegervater einmal nach einer entsprechenden Bemerkung meinerseits vehement bis wütend bestritt, und tatsächlich ist sein (kommunal-) politischer Horizont doch ziemlich groß und auch nach seiner aktiven Zeit hat sein Wort noch einiges an Gewicht in der Kleinstadt. Trotzdem empfinde ich es immer als recht seichtes Fahrwasser.

Ich habe längst aufgehört, an die Politik zu glauben und auf sie zu vertrauen. Weshalb nochmal werden Politiker nicht nach Leistung und Ergebnissen bezahlt? Nach Wissen und Einsatz? Sollten nicht genau die daran gemessen werden, wie weit sie diese Verantwortung auch übernehmen? Mit ihrem Statement gestern hat sich Frau Merkel doch nur wieder geschickt durchlaviert. Was sind schon ein paar warme Worte? Sie sagt, was der geneigte Nachrichtenkonsument hören will, und gut ist. Wenn Staubsaugervertreter Staubsauger verkaufen, was verkaufen dann Volksvertreter? Genau – und zwar für dumm.

Was ich aber weiß, ist, dass mich das Tagesgeschehen um die Flüchtlinge nicht kalt lässt. Für mich gilt immer noch buchstäblich „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“ Nun habe ich keine Fluchtgeschichte meiner Altvorderen vorzuweisen, ebensowenig persönliche Erfahrungen mit Flüchtlingen oder entsprechenden Unterkünften. Ich kann kein entsprechendes Hintergrundwissen bieten. Aber: Ich kann aufstehen und meine Meinung gegen braune Gesinnung kundtun. Ich kann mir die von anderen Bloggern veröffentlichten Artikel und Links durchlesen, um den Horizont zu erweitern. Ich kann dagegen anreden, wenn ich rassistische und abwertende und diskriminierende Äußerungen höre. Ich kann entsprechende Aktionen unterstützen. Ich kann die Augen und die Ohren offenhalten und vielleicht vor Ort aktiv werden.

Ich kann auch Geld spenden. Doch das hat für mich immer auch ein „Gschmäckle“, es fühlt sich für mich an wie freikaufen. Ich gebe euch Geld, dann bin ich aus der Sache raus. Das ist mir zu einfach, obwohl natürlich gerade Geldspenden dringend gebraucht werden. Das Geld kann eben wesentlich sinnvoller in wirklich notwendige Gegenstände investiert werden, als Sachspenden sinnvoll sind. (Die Leute geben bitte WAS alles für Klamotten ab??? Ich fass es nicht!)

Tatsache ist: Ich lebe in einem großen Haus (noch nicht mal durch eigenen Verdienst), ich habe funktionierende Wasser- und Stromleitungen, eine funktionierende Küche, Lebensmittel und Kleidung in den Schränken, ich kann einkaufen gehen, ich kann arbeiten gehen, meine Rechnungen bezahlen, ein Haustier haben, einfach so auf der Straße spazieren gehen, ich könnte verreisen, das Internet leerlesen, fernsehen, Informationen bekommen, ich darf laut meine Meinung sagen (sogar hier in meinem kleinen Blog), ich muss nicht hungern, frieren oder auf der Straße leben – mir geht es verdammt gut, und das einfach nur, weil ich zufällig in diesem Land und mit weißer Haut zur Welt gekommen bin!

Und genau dieser Gegensatz macht mir zu schaffen: Ich bin privilegiert  – was habe ich persönlich dazu beigetragen? Dort sind Menschen, die dringend Hilfe brauchen und auch keine Schuld an ihrer Situation haben. Allein schon die Mitmenschlichkeit gebietet es, hier zu helfen und wenigstens für menschenwürdige Zustände zu sorgen, diese Menschen vor Übergriffen zu schützen und sie in ihrer Lage nicht allein zu lassen. Und was passiert? Wieder einmal müssen die kleinen Leute selbst aktiv werden, leisten die Ehrenamtlichen Unglaubliches, werden Initiativen ins Leben gerufen, private Aktionen organisiert. Soviel dann zur Merkelschen „Mündigkeit der Bürger“. Hmpf.

My 2 Cents.

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7 Kommentare

  1. Liebe AnnJ, es ist ein Thema, um das ich schon seit einiger Zeit „herumschleiche“, weil mir so vieles auf der Seele brennt. Und doch wage ich es nicht zu sagen oder kann es nicht in Worte fassen. Angst, missverstanden zu werden?
    Zuallererst: Insbesondere Deinen letzten Abschnitt möchte ich dick und fett und doppelt und dreifach unterstreichen und unterschreiben. Die Menschen, die hierher oder überhaupt aus ihrem eigenen Land in ein anderes flüchten, die können doch so überhaupt nichts dafür, dass in ihrem Land Krieg geführt wird oder eine derartige Armut herrscht, dass kaum eine Perspektive möglich ist. Würden wir selber es denn je anders machen?? Würden wir es nicht ganz genauso machen?? Ja na klar würden wir!! Und obendrein: Wir selber, unsere Politik hat diese Situationen mitverschuldet, unsere Politik ist mitverantwortlich für Not, Krieg, Elend – und wir Otto Normalos können genauso wenig dafür wie die Menschen, die in ihrem Elend, in ihrer Angst nicht mehr ein noch aus wissen. Wie kann man da nicht helfen wollen??!!
    Ich kann gar nicht beschreiben, wie froh und dankbar ich bin, dass hier kein Krieg herrscht, ich nicht diese Angst um Leib und Leben meiner Familie fürchten muss – und was haben wir Otto Normalos dazu beigetragen?
    Dennoch… Dennoch bin ich der Meinung, dass es doch auch in dieser Zeit gestattet sein muss, Fragen stellen zu dürfen? Fragen nach dem Warum, dem Wie und nach der Zukunft? Warum ist jeder Mensch, der Fragen stellt, der sich kritische Gedanken macht, gleich ein Mensch, dem gequirlte braune K**e im Kopf rumgeht? Insbesondere dann, wenn er aus dem „falschen“ Bundesland kommt?
    Wie kann ein mehr als wohlgenährter Politiker jahrelang die Frage nach Asyl- und Bleiberecht und vor allem deren Umsetzung ignorieren und sich jetzt hervortun mit WischiWaschi „Wir müssen“ und „Wir sollten“ – und tut nach wie vor nichts, einfach nichts – und verkauft im selben Atemzug weiter fleißig seine Kriegsmittel in genau die Länder, aus denen die Menschen nur noch weg wollen??
    Diese Fragen, diese Diskussionen, die helfen keinem, der um sein Leben floh. Die werden in Zelte gesteckt, zwei Monate, bevor es kalt wird. Die bekommen Hotelgutscheine in die Hand gedrückt, die nicht gedeckt sind. Oder wo kein Platz mehr ist. Traumatisierte Menschen haben keine Chance auf Behandlung, verschiedenste Kulturen werden auf engstem Raum ohne Privatsphäre zusammengepfercht: Letzte Woche sind hier ein paar Straßen weiter 60 (!) Flüchtlinge auf der Straße aufeinander losgegangen – das ist doch Irrsinn! Es ist nicht allein Miss Merkel, die lediglich salbungsvolle, aber nichtssagende Töne schwingt. Alle haben sie versagt, alle, wie sie da sitzen und nun auf das Volk herunterschauen und abwarten, was passiert. Es wagt doch keiner eine Entscheidung, weil sie alle, ob schwarz, grün, gelb, rot, Angst um Wählerstimmen haben.
    Bin ich ein Stammtischschwätzer? Ja? Nein? Warum macht mich das zu einem, wenn ich vielleicht nicht in alles hundertprozentig eingeweiht bin? Warum darf ich nicht trotzdem Fragen stellen, die mich als Mensch bewegen?
    Ja, ich bin hundertprozentig dabei, Menschen zu helfen. Menschen in Not kann man nicht, darf man doch nicht sich selbst überlassen. Aber ich habe Fragen. So einige Fragen. Und es muss doch erlaubt sein, das Tun, das Handeln anderer zu hinterfragen und Lösungen zu fordern, die nicht nur einer Seite dienen.

    1. Liebe Helma,
      danke für Deinen ausführlichen Kommentar – den könnte ich genauso unterschreiben 🙂 Eben genau darum geht es mir: Diese kritischen Fragen, dieses Hinterfragen nach Zusammenhängen, dieses Einordnen von Fakten – das fehlt mir in vielen – äh, Gesprächsrunden. Und genau da unterscheidet meiner Meinung nach eine vernünftige und lehrreiche Diskussion über Politik von Stammtischgerede. Eine Aussage wie „Mir bzw. meinen Eltern hat damals auch niemand geholfen! Wir mussten auch allein zurechtkommen.“ ist mir zu billig und zu seicht.
      Es gibt zum Glück tolle Blogger, die Fakten in Zusammenhänge rücken können und neue Blickwinkel öffnen, von wo aus man sich wieder weiterbilden kann. Dafür bin ich sehr dankbar.

      Die rechte Gesinnung an bestimmten Orten in Deutschland festzumachen ist Unsinn. Das geht quer durch die Republik und quer durch alle Schichten. Rechts ist rechts, ob in Bomberjacke oder in Hemd und Krawatte! Die einen sind eben aktuell sehr sichtbar, viele bleiben unerkannt. Und es ist ein schäbiges, klägliches Armutszeugnis für unser Land, dass Brandanschläge verübt werden, dass Polizisten mit der Situation überfordert sind, dass Politiker erst auf massiven Druck lahmarschige Statements abgeben (na, immerhin waren sie mal vor Ort). Ich höre auch nur immer, dass jemand „voll und ganz dahintersteht“ – davorgestellt hat sich noch keiner und in der ersten Reihe Position bezogen.

      Von daher: Wir dürfen nie aufhören, das Tun und Handeln anderer zu hinterfragen!

      1. Ich gestehe: Ich hab gewartet auf Deine Reaktion. Ein bisschen beklommen war mir, nicht sicher, wie sie ausfallen würde. Bin ich zu ängstlich (geworden)? Doch wenn ich sehe, was derzeit in den Onlinegazetten abgeht… Mir schwirrt der Kopf! Es wird so undenkbar schnell pauschaliert – egal auf welcher Seite – und ich war mir nicht sicher: Sende ich meinen Kommentar ab, lösche ich ihn besser?
        „Mir hat auch niemand geholfen“ – das habe ich noch niemals gelten lassen, egal in welcher Hinsicht. Das ist für mich eine Denke, die nur bis zum eigenen Tellerrand geht. So wollte ich nie sein. So werde ich hoffentlich nie niemals sein.
        Und ich persönlich denke: Gerade die Tatsache, dass sich bis heute kein einziger Politiker in die erste Reihe gestellt und klar Position bezogen hat, dass keinem Wort eine sichtbare Tat folgte – genau das verunsichert die Leute. Dass jeder im Grunde weiß, dass und was zu tun ist – und es aber keinen Plan gibt, keinen klaren Weg, das birgt zuviel Raum für Unsicherheiten, Spekulationen und spielt den Falschen in die Karten.
        Wenn ich im Zeitraum X nicht mehr 100.000, sondern 800.000 Menschen aufnehme und für sie sorgen will und einfach sorgen muss, dann muss doch die Frage berechtigt sein dürfen, wie das Ganze gehen kann, wie man den Menschen gerecht werden kann, ohne ihnen völlig ihre Würde zu nehmen? Sie nicht einfach erst mal nur in eine große Halle zu sperren mit nur zwei Toiletten und maximal einem Arzt, der sich vielleicht um physische Wunden kümmern kann, nicht aber um die psychischen? Ist es jetzt typisch deutsch, für alles einen Plan haben zu wollen? Oder nicht einfach nur eine Notwendigkeit ab einer Größe X? Und warum darf ich solche Gedanken, Fragen nicht stellen, ohne beinah sofort pauschal in eine Ecke gedrängt zu werden?

      2. .
        Auf Deine letzte Frage hast Du Dir die Antwort schon selbst gegeben: Dass man mit solchen Fragen gleich in bestimmte Schubladen gesteckt wird, liegt meiner Meinung nach ebenfalls an der maximalen Verunsicherung, die derzeit vorherrscht. Nichts ist mehr berechenbar, nichts ist mehr wie gewohnt und wie es war. Und keine klare Linie „von oben“.
        Ganz ehrlich: Das ist doch kein Phänomen, das erst seit 14 Tagen existiert. Längst könnten entsprechende Pläne und Gelder bereitstehen. Nur: Die Umsetzung, die Unterbringung, die Verpflegung und Versorgung von Flüchtlingen wird vom Bund einfach an die Kommunen abgewälzt. Wie die das machen sollen, mit welchem Personal und welchem Platz und welcher Richtschnur und mit welchem Geld …

  2. „Ich halte mich selbst nämlich nun nicht gerade für einen politisch wissenden Menschen.“
    Bist Du aber! Du hast und zeigst Haltung und stehst dafür ein, erklärst, argumentierst, diskutierst …

    Ja, ich bin auch ein wenig angep… , dass es die Bürger sein müssen, die es richten, wenn die Behörden versagen bei Flüchtlingsanstürmen. Einerseits.

    Andererseits bin ich hackestolz auf die Mitbürger, die sich einsetzen und einfach machen und helfen, und nicht erst fragen. Die den Behördenhansels einfach vorleben, wie es geht, und ihnen Gründe liefern, morgens mit heißen, schamroten Wangen in den Spiegel zu gucken.

    DAS sind meine Mitbürger.
    (entschuldige die Großbuchstaben, das hätte kursiv werden sollen, aber ich bin da nicht so firm)

  3. Danke für Deinen Kommentar! 🙂
    Ich habe einfach immer das Gefühl, dass mir ein großer Teil politisches Hintergrundwissen fehlt. Aber ich kann eben auch versuchen, mein Wissen zu erweitern – denn DASS wir uns informieren können, ist nicht zu bestreiten.
    Ja, ich bin auch richtig geplättet von dem Einsatz, den viele Menschen einfach so zeigen, ohne groß herumzudiskutieren. Das macht mich auch stolz und es zeigt doch, dass wir als „Volk“ auch etwas bewirken können!

  4. Eben. Aber vor allem: Du hast das Grundgesetz und das Ding mit der Menschenwürde besser verstanden als mancher Berufspolitiker, der vielleicht sogar von Haus aus Jurist ist. Mehr braucht es erstmal nicht, aber das Wissen der Welt ist heutzutage ja auch nur ein paar Mausklicks entfernt.
    Und wo Helfen anfängt, habe ich ja neulich aufgeschrieben: Mit einem Lächeln auf der Straße!
    https://buchstaeblich.wordpress.com/2015/08/07/fluechtlinge-helfen-wo-faengt-das-eigentlich-an/

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