Balkongedanken (4) – Vom Alter

Nunja, inzwischen eher Sofagedanken – ist ja schon frisch geworden da draußen. Nix mehr mit gemütlich in der warmen Abendsonne sitzen, den weltbesten Lynchburg in der Hand und Gedanken denken. Jetzt eben Sofa, Kuscheldecke, Strickzeug und Gedanken denken. (Kaffee und Katz nicht zu vergessen!)

Weil, da lese ich so quer durch den Bloggergarten, mache mir diese und jene Gedanken dazu, nicke im Geiste oder schüttel den Kopf, erinnere mich an die zuletzt beantworteten Fragen, dann kommen ganz viele Gedanken auf einmal und alle wollen gleichzeitig gedacht werden. Gedankenknäuel. Verheddert. Wie die beiden Wollknäuel vom Strickzeug in der Hand. (Außerdem vor lauter Denken schon wieder verstrickelt, hmpf!)

Erkenntnis 1: Jeder will alt werden, aber keiner will alt sein. Auch die Alten nicht.
Erkenntnis 2: Alt werden ist nichts für Feiglinge!

Ach, rümpft ihr mal schön die Nase über alte Menschen. Die passen ja auch so gar nicht in unsere heile Hochglanzbilder-Scheinwelt, ne? Raffen die moderne Technik nicht, erzählen immer dieselben alten Geschichten, sind langsam, tüddelig, überfordert. Und wie die aussehen – olle Klamotten, Falten, Runzeln, der Schwerkraft folgende Körperteile!

Aber in der kurzen Zeit, die ich bis jetzt ehrenamtlich auf einer geriatrischen Krankenstation zugebracht habe, ist mir mehr Dankbarkeit, Lebensklugheit, Wissen, Humor und Interesse begegnet als in den letzten Jahren zusammen. Kleine Beispiele: Die 90jährige Dame (anders kann ich sie nicht bezeichnen), die in kurzen Episoden von einem Wahnsinns-Leben berichtet. Eine weitere 90jährige, die sich nur freut, dass ich ihr Zeit widme. Ein 85jähriger, der vor Dankbarkeit Pipi inne Augen hat, weil er einfach in Ruhe und ohne Hektik sein Brot aufessen kann.

Verdammt Zum Donnerdrummel, jeder Mensch hat das Recht, in Würde alt zu werden und alt zu sein. Die Zeichen seines Alters zu zeigen und damit nach seinen Möglichkeiten zu leben.

Bedenken Sie: Werden Sie auch einmal alt? Wenn ja, wie sind Sie dann beieinander? Wollen Sie sich dann Vorschriften machen lassen, was Sie zu tun und zu lassen haben? Oder werden Sie nicht alt, gehen frühzeitig, dafür in Schönheit und/oder Unversehrtheit? Und weroderwas bestimmt das?

Und was passiert eigentlich mit mir, sollte ich mal alt werden? Das war ja dieses Jahr wohl mein letzter bzw. mein vorletzter Umzug im Leben … Und die Schwiegers? Was passiert denn mit denen, wenn die nicht mehr sie selbst sind? Der SchwieVa ist doch Zeit seines Lebens mit Rührei machen schon überfordert – wenn der allein wäre *umHimmelsheiligerWillen* … Haben die das eigentlich irgendwie geregelt?

Andererseits: Ist unsere heutige hohe Lebenserwartung überhaupt sinnvoll? Vielleicht regelt sich DAS aber auch von selber wieder, dank der Unabsehbarkeit der Dinge, die die Menscheit so ersonnen hat.

Und weil sich die Gedankenspirale weiterdreht von diesem Thema zum nächsten, sind weitere Balkongedanken notwendig.

 

 

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