Hochzeitserinnerungen – Teil 1 / Theorie

Wie ich so durch Bloggerhausen spaziere, lese ich hier diverse Episoden von Hochzeitsvorbereitungen. Klar, dass mir da meine eigene Hochzeit wieder in den Sinn kommt. Ich denke gern daran zurück, weil der Tag einfach im Großen und Ganzen so gelaufen ist, wie ich mir das ausgemalt und geplant hatte. Und vielleicht findet jemand ja doch ein, zwei Hinweise für das eigene Vorhaben. Wir haben unsere Hochzeit über 350 km Entfernung geplant – wir lebten ja in München, wollten aber im Heimatort vom MannMitHut heiraten. Here we go:

Was SEHR wichtig ist: Die beiden Menschen, um die es geht, müssen miteinander reden! Speziell darüber, wie jeder von beiden sich die Hochzeit vorstellt! Der eine will eine rauschende Ballnacht, der andere eine fast heimliche Heirat … Wünsche, Erwartungen, NoGos, Details … sonst gibt es ein Desaster!  Erspart Euch das. Der MannMitHut war da recht pflegeleicht: „Plan du mal, ich sag dann, wenn mir was nicht gefällt.“ Okay, so gehts auch.

Was gut ist: Wenn man weiß, was man nicht will. Das konnte ich als Gast auf einigen Hochzeiten in den Jahren vorher lernen. Situationen, wo ich innerlich gepalmfaced habe; Bräute, die Nervenbündel waren und am liebsten wegrennen wollten (Tatsache!); eine Riesenhochzeit, von der das Brautpaar das Wenigste hatte. All sowas eben.
Wer mich kennt und wer hier schon länger liest, der weiß, dass ich kein Kitsch-Fan bin. Meine Hochzeit sollte also auch kein Showevent werden, sondern eine bodenständige und durchaus ernsthafte Sache: Schließlich wollte ich hier vor aller Welt meine Verbundenheit mit diesem einen Mann kundtun.
Ja, und dann mussten der MannMitHut und ich mit unserer Hochzeit auch ein bisschen was wieder rausreißen, was einige Jahre zuvor bei einer anderen Hochzeit nicht im Familiensinn gelaufen war. Das war so die Hypothek, die wir mittrugen.

Was nicht geht: Die beteiligten Braut- und Bräutigam-Eltern nicht einzubeziehen. Immerhin geht sie die Sache auch was an, und sie müssen zumindest wissen, was sie an diesem Tag erwartet bzw. was von ihnen erwartet wird. Nun sind meine Schwiegereltern Menschen, die gerne anderen das Heft aus der Hand nehmen, immer meinen „Willst du das nicht so oder so machen, warum nicht, wieso willst du dir nicht helfen lassen?“ und sich einfach immer – halt mit guten Absichten – einmischen müssen. Also habe ich ganz klar in der Familienrunde gesagt: Ihr erfahrt alles, wir lassen euch nicht außen vor – aber wir planen alles durch und reden dann erst darüber! Ihr braucht nichts tun! Das hat dann auch funktioniert.

Und die Eltern der Braut? Ach je, der traurigste Punkt bei der Sache … Wäre mein Vater zu meiner Hochzeit erschienen, hätte ich mich doch sehr wundern müssen – er war damals schon 18 Jahre lang tot. Leider, leider konnte auch meine Mutter nicht dabei sein. Sie lebte nach mehreren Schlaganfällen und mit zunehmender Demenz schon seit Jahren invalide im Pflegeheim in Sehrweitweg. Ihr hat das ganz arg weh getan, mir auch. Hätten wir sie geholt – sie hätte weder die Reise noch das Klima, noch die Aufregung vertragen. Spätestens im Trauzimmer wäre sie kollabiert.

Ich verdrängte den Punkt also und fing an zu planen, und wie! Am Schluss hatte ich eine drei Meter lange Liste.
Und warum alles selber machen? Weil ich keine unliebsamen Überraschungen wollte. Ich wollte alles schön in meinem Einflussbereich haben und mich nicht auf Dritte verlassen müssen.
Wer trauzeugt? (Das stand sehr schnell fest.)
Wen laden wir ein? Ohje, Gäste aus allen Himmelsrichtungen – wir brauchen Übernachtungsmöglichkeiten.
Wo feiern? Drei Gasthöfe bzw. Hotels haben wir uns angesehen, beim dritten fühlten wir uns richtig, richtig gut aufgehoben und umsorgt! Was für ein tolles Haus! Der Veranstaltungsraum limitierte dann auch ein bisschen die Gästeanzahl, aber es passte genau. Schon auf der Rückfahrt von diesem ersten Gespräch stand fest: Das ist es, dort feiern wir. Ich denke, hier darf man durchaus auch auf sein Bauchgefühl hören, schließlich sollte sich das Brautpaar an diesem besonderen Tag um nichts kümmern müssen außer um sich selbst.
Wir mussten ja – siehe oben – ein bisschen was gutmachen. Also wäre es doch schön, vom prominenten Vertreter der Gemeinde getraut zu werden, was der auch von Herzen gerne tat – schon aus alter Verbundenheit zu meinem Schwiegervater. Es gab nur nicht viele Termine zur Auswahl. Natürlich wollten wir einen Samstag, damit jeder Eingeladene auch möglichst Zeit hatte. Sechs bis neun Monate vor der Hochzeit den Termin einzukreisen, ist definitv nicht zu früh!

Jedes angedachte Puzzlestück zog seine eigenen Planungen nach sich.
Das Brautkleid! Geheiligt sei das Internet mit seinen Unmengen an Fotos! Ich hatte das unwahrscheinliche Glück, in München eine Schneiderin zu kennen. (Sie betrieb damals ein offenes Nähatelier, in dem jeder gegen Bezahlung auch selbst nähen konnte.) „K*, nähst Du mir mein Hochzeitskleid?“ Oh, da leuchteten aber Schneiderinnenaugen. *g*
Mir war nämlich auch klar: Das, was ich als Kleid wollte, gab es nienicht zu kaufen. Ich wollte eine rote Braut sein, kein ausladendes Kleid haben (auch Bräute müssen mal auf die Toilette), nicht schulterfrei sein (klar, irgendwann steh ich dann im Freien oder was, neenee) und mein Kleid sollte bodenlang sein. Und ich konnte nicht einen vierstelligen Betrag nur für das Kleid ausgeben. Nach drei, vier Bildern, die ich ihr hingelegt hatte, sagte sie nur: „Okay, Dein Stil steht fest, Du langst immer auf dasselbe – sehr klassisch. Willst Du die Raffungen links oder rechts haben? Ich besorg mal die Stoffmuster. Bist Du sicher, dass Du rot willst? Ha, ich hatte schon viele Bräute, aber noch nie eine im roten Kleid.“ Glauben Sie mir, ich ging sehr beschwingt nach Hause.
Männer haben es da mit dem klassischen Anzug sehr viel einfacher. Sie leiden allerdings dabei, sich durch alle Anzüge durchprobieren zu müssen. Passt die Hose, ist das Jacket noch zu eng. Passen alle Teile, stimmt die Farbe noch nicht. *seufz* Der MannMitHut wollte keinen schwarzen Anzug, ist ja keine Trauerfeier. Er nahm dann etwas dunkelgrau Nadelgestreiftes. Und weil er eine rote Braut haben würde, wollte er ein rotes Hemd anhaben. Nun finden Sie mal passende rote Hemden in kurz- und langärmlig. Das war schwieriger als der Anzug!

Da die Grundfarbe feststand, wollte ich noch eine Ergänzungsfarbe und entschied mich für ein helles apricot.

Das Hochzeitsauto! Das muss geputzt und geschmückt werden, bereitstehen und einen Fahrer haben.
Also, welches Auto? Welcher Autoschmuck? Bloß kein dicker Blumenknubbel mitten auf der Motorhaube – man kann kaum drübergucken und der kommt einem bei der Überlandfahrt zum Feierort dann auch ganz schnell mal entgegen! Ich entschied mich für eine V-förmige Blumengirlande, die konnte man auch gut am Sternchen vornedran festmachen.
Wir lauschten uns nach einem zuverlässigen Flowerpower-Fachgeschäft um, brachten unsere Farben und ein Foto vom Auto zum Gespräch mit. Wir bekamen die richtigen Fragen gestellt (Wie viele Gestecke für die Hochzeitstafel? Das Auto vorne so und hinten so? Wir brauchen das Auto dannunddann, können Sie dann gleich wieder mitnehmen. Die Gestecke sind dannunddann fertig zum Abholen. So und jetzt reden wir über Ihren Brautstrauß.) Meinen WAS?
Okay, wenn klassisch, dann richtig – es wurde kein rundes Sträußchen, sondern ein längliches Bouquet-Gebilde. DAS kann ich nun nicht so ganz empfehlen, weil: Sie tragen das Teil vom Aus-dem-Haus-Gehen bis zum Feierbeginn in der Hand! Das sind ein paar Stunden, und irgendwann wird das Ding dann sauschwer. Und lästig. Und wie ich hinterher festgestellt habe: Ich habe meinen Brautstrauß erst auf den Fotos richtig gesehen – ich hatte ihn ja die ganze Zeit in der Hand und nur quasi von oben begucken können.
Sekt im Standesamt oder im Hotel? Wie kommen Sekt und vor allem notwendiges Zubehör an Ort und Stelle?
Wer kommt wie vom Trauungsort zum Feierort?

Die Gäste müssten wir mal einladen, was? Mein einziges Denken war: Die sollen sich um nichts kümmern müssen. Es gab einmal die Einladung mit dem Termin. Für die, die zugesagt hatten, wollte ich alle Infos in einem weitergeben. Ich konstruierte am Rechner hin und her, ich werkelte einen Abend lang vor mich hin und hatte dann ein niedliches Etwas zum Blättern geschaffen, in dem alles drin stand: Zeiten, Orte (eh klar), geplanter Ablauf, Anlaufstelle, Notfall-Rufnummern (für „wir stehen im Stau“ und „wo müssen wir denn hin?“), Hoteldetails (mit Prospekt), Dresscode etc. Und natürlich die Kleiderfarbe der Braut! (Es gibt immer eine/n, der das überliest/ignoriert/nichternstnimmt!)

Das einzige, worauf meine Schwiegermutter bestanden hatte, war unsere Hochzeitstorte machen zu dürfen. *seufz* Hochzeitstorte – muss denn das sein … Bitte bloß kein dreistöckiger, zuckertriefender, weißer Kitschkram, den eh keiner isst! Machen wir doch einfach hellen und dunklen Teig mit Buttercreme dazwischen. Passte hervorragend.
Da war dann auch vierstöckigfach kein Problem – rechteckige Grundform unten, Herzform obendrauf. Hachz!

Ringe! Wohl richtig wichtig! Gut Zeit einplanen für das Aussuchen – man macht dafür einen Termin im Geschäft! Wir hatten die Auswahl recht schnell eingegrenzt (silber!), nur: die Damenversionen waren halt immer mit „Bingbling“. Och nö! Man kann aber auch die Männerversion in der Damengröße machen lassen!

So, damit steht jetzt mal ein ganz grobes Gerüst für diesen einen Tag, hurra! Im nächsten Teil dann: Behörden! Kleinkram! Irrationale Panik! Was einem zum Thema Hochzeit so alles einfallen kann und wie man schön Aufgaben verteilt!

Ringkissen2

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4 Kommentare

  1. Die Hochzeit… *seufz*… wichtigster Tipp von mir: Es nicht allen recht machen wollen. Und die Sache lieber kleiner halten, dafür aber wirklich nur Menschen einladen, die man dabeihaben möchte. Wir haben es damals zwar schon extrem klein gehalten und trotzdem waren Menschen da, die „man doch einladen muss, weil… blablabla.“

    Und wenn ich deinen Post so lese, dann wird mir wieder bewusst, was für ein stümperhaftes Etwas wir als Hochzeit deklariert haben. *g* Kein Hochzeitskleid (war nichts für mich, damals), sondern ein billiges Kostüm. Dem Mann hatte ich zuvor die Haare geschnitten (er wollte das!) und meine selbst verfärbt (war so nicht geplant). Also war es mit der Hochsteckfrisur dann auch Essig, weil lang und blond plötzlich zum roten Pagenkopf wurde. Außerdem hatten wir zauberhafte Gäste, die wahlweise gar nicht kommen wollten oder die uns nahelegten, doch einfach still und leise wegzufahren, um irgendwo im Ausland (Südsee?) zu heiraten (meine Familie ist ein bisschen komisch). Der Raum im Restaurant sah aus wie eine Abstellkammer und war katastrophal dekoriert und zur Krönung bekam der frisch Angetraute dann auch noch Nasenbluten beim Essen. Großes Kino. Aber die Flitterwochen waren klasse! 🙂

    1. Ach je, das klingt nicht nach einem erinnerungswürdigen Tag! Da scheinen die Flitterwochen einiges wieder gutgemacht zu haben?! (Sowas hatte ich ja dafür gar nicht.)
      Aber ja: Es bloß nicht allen recht machen zu wollen, ganz wichtiger Tipp! Das funktioniert ü-ber-haupt nicht. Ich werde auch noch ein paar denkwürdige Momente zum besten geben …

    1. Was ich auch als ehrlicher empfinde als Riesenbrimborium mit hunderten von Gästen. Meistens geht da der eigentliche Akt des Eheschließens dann unter ….

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