Monat: Mai 2016

Die kleinen Dinge

Es sind doch immer wieder die kleinen Dinge, die mir bewusst machen, dass ich – trotz aller Widrigkeiten – kein schlechtes Leben habe.

Am Sonntag hat der Spießer in mir Freigang:

Sonntag

Ein Sonntag Nachmittag ohne Kaffee und Kuchen ist für mich quasi unvorstellbar. Heute im Anschnitt: Erdbeerkuchen mit Joghurtcreme. Die Schokoschicht zwischen Kuchenboden und Creme muss nicht, mache ich aber immer wieder gerne. Will wer? (Ja, das sind zwei Stücke da auf meinem Teller. Ich esse sowieso zwei Stück, wieso sollte ich zwischendrin also nochmal aufspringen und in die Küche rennen? Nehme ich doch gleich zwei Stück mit raus.)

Nicht im Bild: Üppiges Mittagessen mit Hackfleisch in Blätterteig und Salat aus dem Garten! \o/

Das ganze auf der eigenen Terrasse mit Blick in den eigenen Garten. Und ich bin froh und dankbar, dass das alles noch da ist!

Das andere Katz findet übrigens:

LeaSonntag

„Das Interieur ist ja ganz nett, aber die Kissen sind hier schon ziemlich klein!“

Morgen dann Schluss mit Sonntagsidylle, das Kontrastprogramm heißt: Stinkigen Keller weiter leerräumen.

Am Limit

Eigentlich sollte hier längst ein Beitrag stehen über die Pointen, die unser Waschmaschinen-Malheur so ausgelöst hat. Nein, mir ist nicht danach. Der MannMitHut und ich laufen gerade seelisch dermaßen am Limit, dass uns so gar nicht nach Spaßigem ist.

Die letzten Monate waren sowieso schon so energieraubend. Ständig irgendwelche neue kleine bis mittlere Fronten, die neuen Einsatz, neue Pläne, neues Durchdenken, neues Geld gebraucht haben. Jetzt zieht der Brand im Waschkeller eine Kettenreaktion nach sich, die mich nur noch niedergeschlagen und mutlos macht. Nicht nur, dass wir alle vier Kellerräume KOMPLETT leerräumen müssen, damit die Sanierungsfirma ihre Arbeit machen kann. Nein, das ganze Treppenhaus über alle vier Stockwerke muss bearbeitet werden, und als Krönung auch noch das Dachgeschoss. Da würden noch nichtmal Siemens-Lufthaken etwas nützen, denn aller Krams muss aus den Zimmern RAUS.  Sämtliche Isolierungen und Stromkabel im Keller müssen auch neu. Ich weiß nicht mehr, wo ich eigentlich zuerst hinfassen soll. Immer wieder kommt mir etwas unter, was eigentlich in die Waschmaschine sollte. Nun habe ich aber im Moment keine, und das Teil wandert … ja, wohin denn damit? Ich mag ja nun auch nicht mit jeder Wolldecke und mit jedem Lappen, die/der etwas abbekommen hat, zur Schwiegerschen Waschmaschine tapern.

Schön auch, wenn Sie hier irgendetwas zu entsorgen haben, sperrige Sachen oder mal ein paar Bretter oder drei Kübel Grünschnitt oder so … der nächste Wertstoffhof hat zu (da hats auch gebrannt, haha), und bis zum dann nächsten sind es nunmal 30 km. Sie melden auch nicht ein paar Bretter bei der Müllabfuhr an … aber wohin dann in der Zwischenzeit mit dem Zeug?

Ach ja, unser Auto macht jetzt auch noch eine neue Baustelle auf. Wenn wir Glück haben, nur 400 Euros. Mit weniger Glück 1.000 Euros. Noch mehr Pech: Neues Getriebe. Aber doch nicht für ein 14 Jahre altes Auto. Nur: Ein neues Auto können wir uns aktuell auch nicht leisten. Tja, was nun tun?

Mittlerweile bin ich so weit, zu meiner Ärztin zu gehen und um die Unterstützung durch die Pharmaindustrie zu bitten, denn: So antriebslos, so überfordert, so gelähmt kenne ich mich nicht. Und das ist eben nicht erst seit 14 Tagen so.

Plötzlich wird vieles relativ 2

tl;dr
Zwei Ratschläge von mir, die ich aus eigener Erfahrung mit allem Nachdruck und mit bestem Gewissen geben kann:
Erstens: Schalten Sie nicht die Waschmaschine oder ein anderes elektrisches Gerät ein und gehen Sie dann aus dem Haus! (Habe ich oft gemacht. Dieses mal nicht.)
Zweitens: Wenn Sie Feuerschutztüren haben, dann machen Sie sie grundsätzlich und immer zu! (Habe ich nicht immer gemacht. Diesesmal schon.)
Wir haben extrem viel Glück gehabt!

Langversion
Der Samstag begann ziemlich grantig. Also, ich war grantig auf den MannMitHut, der am Freitag Abend noch zu Handwerkerfreunden gefahren war und erst sehr spät in der Nacht nach Hause kam. Wir haben im Moment sowieso so wenig Zeit miteinander, mich hat das einfach geärgert. Ich konnte außerdem nicht gut schlafen, um 23.00 Uhr war ich zurück ins Wohnzimmer gewandert und hatte mich auf dem Sofa für die Nacht eingerichtet. Am Samstag Vormittag war ein straffer Zeitplan angesagt; die örtliche Feuerwehr lud am Sonntag zur Festivität und ich hatte mich freiwillig für den Vorbereitungseinsatz „30 Steigen Salat und Gemüse herrichten“ gemeldet und außerdem ein Blech Kuchen für das Kuchenbuffet zugesagt, das musste auch heute werden. Ich war also schon ziemlich früh wach und auf und bekaffeet, schmiss mich dann unter die Dusche (ärgerte mich kurz darüber, dass ich auch heute keine Zeit haben würde, mein Bad zu putzen und zu hübschen) und hatte dann noch zwei Stunden Zeit bis zum „ich muss los“. Och, machen wir doch bisschen Bügelwäsche weg, das macht keinen Lärm und ist was Sinnvolles. Während ich also so vor mich hinplättete und -faltete und -zusammenlegte, mich darüber freute, dass ich mein Mittelalterkleid rechtzeitig für den heutigen Abend fertigbekommen hatte (die Reste der Nähorgie waren noch wüst im Näh-/Bügelzimmer verteilt), fiel mir die Waschwäsche ein, die im Keller der Aufmerksamkeit harrte. Also kurz runter und eine Waschladung angeworfen. Das war so gegen 8 Uhr 45. Ich bügelte weiter, der MannMitHut wurde auch wach und wurde nicht mit Guten-Morgen-Knutsch begrüßt, sondern angegrantelt … Zwischendurch dann so zwei-, dreimal die Erkenntnis: Hier riechts aber heute seltsam. Es ging auf 9 Uhr 30, also mal langsam in anständige Klamotten und klar zum Aufbruch. Handy und Geldbörse einstecken, im Hausflur Schuhe anziehen … Halt, zum letzten Punkt kam ich nicht mehr! Die folgenden fünf bis zehn Sekunden sind in meiner Erinnerung nur in Superzeitlupe gespeichert, alles passiert gleichzeitig! Ich schaue zufällig Richtung Kellerabgang, der Kopf sagt „Da isses heute aber dunkel …“, es dauert zwei Zehntelsekunden, bis ich realisiere, dass die dunkle Wand sich bewegt. Der MannMitHut rast die Treppe vom Obergeschoss runter und schreit „Im Keller qualmts, Fenster auf, Türen auf!“, rast weiter nach unten in den Keller. Was er dann alles tut, bekomme ich schon nicht mehr mit. Ich renne zur Terrassentür, sehe, dass das Katz nach draußen läuft, habe das Handy in der Hand und rufe die Feuerwehr an. Inzwischen wabert dichter Qualm durch unser Haus. Das andere Katz rennt nach oben. Als nächstes rufe ich den SchwieVa an, gebe an die SchwieMu nur die Order aus: „Bei uns im Keller brennts, bitte schick den SchwieVa sofort rüber!“ Ich höre den MannMitHut sagen „Alles gut, alles unter Kontrolle, Feuer ist aus, es qualmt nur ziemlich.“ (Oder so ähnlich. Der genaue Wortlaut fehlt mir.) Ich stehe in der Haustür und die Zeit deeeeeeeehnt sich, bis endlich die Feuerwehr sirent und angerauscht kommt.

Das nächste, was ich weiß, ist, dass wir dem Einsatzleiter schildern, was los ist, ihm sagen, dass keine Personen, aber zwei Katzen im Haus sind, eine davon im Garten, wir von ihm auf die andere Straßenseite geschickt werden, drei Einsatzfehrzeuge die Straße blockieren, die Drehleiter ausgefahren ist und etliche Leute mit Atemschutz in unser Haus laufen.

Der MannMitHut nimmt mich in den Arm und erzählt ganz grob, dass unsere Waschmaschine gebrannt hatte und die Plastikschläuche, die daneben an der Wand hingen, geschmort und den ganzen Qualm verursacht haben. Aber sonst sei nicht viel passiert.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich absolut kein Bild davon, wie schlimm der Keller verwüstet war, wie weit sich das Ganze ausgebreitet hatte, ob noch irgendetwas da unten heil war, was inzwischen im restlichen Haus passiert war, ob ich in Hysterie ausbrechen sollte oder ob es reichte, wenn ich einigermaßen cool bliebe.

Die SchwieMu war mit dem aktuell in deren Haus logierenden Besuch inzwischen ebenfalls eingetroffen und konnte beruhigt werden. Die gingen dann bald weiter, denn da warteten ja 30 Kisten Salat darauf, verarbeitet zu werden. Ich stellte fest: Der MannMitHut war verschwunden! Weg! Nicht zu sehen!

Ich wandte mich wieder den Fragen, Tröstungen und Erklärungen der Feuerwehrleute  und der Polizei zu, nach einigen Minuten fiel mir auf, dass der MannMitHut immer noch weg war … Noch eine kleine Ewigkeit später kam einer der Rettungsleute an und gab mir endlich Nachricht, dass der Notarzt den MannMitHut ins Krankenhaus hatte schaffen lassen – nicht direkt Rauchvergiftung, aber vorsichtshalber doch durchchecken lassen, dass ihm der Qualm nicht geschadet hatte.

Inzwischen hatte die Feuerwehr die Waschmaschine ins Freie geholt, die großen Lüfter aufgestellt, damit der Rauch durch alle Fenster abzog, die Katzen gesichert (Micky im Garten, Lea im Schlafzimmer) und geguckt, dass sonst keine Überraschungen mehr warteten.

Ich lief die ganze Zeit quasi auf Autopilot und bestand nur aus Aktion und Reaktion innerhalb dieser ganzen surrealen Situation. Eine halbe Stunde später war alles vorbei, die Feuerwehr wieder abgerückt, das Haus begehbar, die Katzen beruhigt, der SchwieVa auch wieder weg – und ich mit einem, zwei, drei, vier Kurzen intus mutig genug, in den Keller zu gehen. Es war mir sehr recht, dass ich jetzt allein war. So musste ich nicht mit anderen Personen interagieren und konnte mich ganz auf mich selbst konzentrieren. (Und zuallererst mal meine bescheuerten pinken Glitzerhausschuhe, die ich die ganze Zeit anhatte, gegen anderes Schuhwerk tauschen.)

Zwiespältiger konnte das ganze Malheur nicht sein: Einerseits sämtliche Kellerwände und -decken, Rohre, Gegenstände, einfach alles rabenschwarz, es stank fürchterlich, andererseits alles so heil und unversehrt, wie es in dieser Situation nur sein konnte. Ich ging durch das Treppenhaus bis ganz nach oben und sah überall nur Dreck und Ruß und Durcheinander, aber keine weiteren Schäden.

Dann setzte ich mich auf unsere Eingangsstufen und begann darüber nachzudenken, was da gerade passiert war. Ich registrierte die Samstag-Vormittag-Idylle mit Sonnenschein, Vogelzwitschern, blühendem Vorgarten und wochenendlicher Ruhe, ich stellte fest, dass sich die Erde weiterdrehte. Und doch: Das Leben hatte mir gerade eine ernsthafte Abmahnung zukommen lassen, der MannMitHut war irgendwo im Krankenhaus (wie ich dann noch später merkte: ohne Geldbörse und ohne Handy), das Haus war ein Schlachtfeld, aber alles war zu überschauen und beherrschbar, wir waren unversehrt, das Haus stand noch. Ich ging zurück ins Wohnzimmer und gönnte mir den fünften. Anschließend schrieb ich dem MannMitHut eine SMS, dass ich nicht mehr autofahren könne und er sich bitte ein Taxi nach Hause nehmen solle. Später fand ich sein Handy auf dem Nachttisch – hmpf. Nun gut, der macht das schon, der kommt klar.

So, und was machte Klein-AnnJ jetzt als erstes, als Ruhe eingekehrt war und sie anfing, alles zu verarbeiten? Klar, Kuchenteig anrühren!

Und in diese ganze absurde Situation hat noch so viel mehr bitter-schöne Pointen, dass das nochmal einen eigenen Beitrag wert ist.

Plötzlich wird vieles relativ

Sie erinnern sich noch an dieses Foto und die Geschichte dazu?

Abfluss3

Seit gestern früh sieht es in dieser unserer Waschküche SO aus (und nicht nur dort):

WK4 WK6

 

MannMitHut, Micky, Lea und AnnJ heil und unversehrt, Haus steht noch … aber ach!
Ich gehe jetzt noch ne Runde heulen und das verarbeiten, dann komme ich nochmal rein und erzähle vielleicht mehr, ja?

Er zaubert wieder.

So oft hat er schon die Blogtüre hinter sich zugeknallt. Dabei hinterlässt er dann immer ein paar verdatterte Gesichter. Einige Zeit später taucht dann doch wieder irgendwo auf.

Willkommen zurück in Bloggerhausen, Zauberer! Schön, Dich wiederzulesen! (Wie war das noch?)

Nachts im Kopf

Sie sehen mich kopfschüttelnd und facepalmend vor mir sitzen … eigentlich wollte ich von meinen heutigen nächtlichen Traumwelten berichten – aber jeder Versuch, DAS zu schildern, würde schiefgehen.

Da waren Explosionen, eine Menge Bada-Bumm, eine grau-gelbe Halle, die so genial konstruiert war, dass Schall- und Druckwellen der Explosion sich quasi in vorbestimmte Richtungen ausbreiteten und man nebendran nichts von allem mitbekommen hat. Es ging noch ein bisschen James Bond-mäßig weiter, bis ich mit einem entsetzlichen Angstgefühl halb aufwachte.

Lange Sekunden, bis sich Traumwelt und Realität voneinander lösten und ich die sehr beruhigende Nähe vom MannMitHut spürte. Ich schlief wieder ein und es ging grad so weiter.

Wieder Versuche, verrückten Menschen und Bada-Bumm zu entkommen, Feuer und gefährliche Spiele damit, gleich noch zwei Träume hintereinander. Glasklar und nicht im geringsten verschwommen, alle Handlungen logisch, aber eben surreal.

Was war da bitte heute Nacht in meinem Kopf los? War ich froh, als ich endlich aufwachen durfte …