Monat: Juli 2016

Viernheim, Würzburg, München, Ansbach

Keine schönen Nachrichten dieser Tage. Wie so viele andere vermisse ich gerade ein bisschen die Zeiten, als man ein Sommerloch noch mit einer ausgebüxten Kuh oder einem gesichteten Krokodil überbrückt hat.

Zum Großteil habe ich die Geschehnisse in München per Twitter verfolgt. Sehr berührt haben mich die Tweets unter „offeneTür“ bzw. „opendoor“, als diese Hashtags geflutet wurden mit Angeboten von Münchnern (Privatleuten, Hotels, Geschäften etc.), bei denen Gestrandete unterkommen konnten. DAS fand ich toll.

Letztlich kann alles überall passieren.
Ich habe mehr als 20 Jahre in München gelebt, bin fast jeden Tag mindestens zweimal mit verschiedenen S- und U-Bahnen gefahren und habe oft genug bei mir gedacht: Ein Durchgeknallter kann immer mitfahren,  am Bahnsteig rumhängen,  unterwegs sein.“  Nicht wirklich Angst, auch kein „ungutes Gefühl“, mehr so das Wissen, dass nichts mehr sicher und nichts vorhersehbar ist.

Viernheim zum Beispiel liegt durchaus mal in meinem Aktionsradius, wenn auch nicht das Kino dort. (Exorbitante Eintrittspreise, grottenschlechte Filme und andere Menschen – na danke, Kino ist für mich generell keine Option mehr in der Freizeitgestaltung.) Ansbach ist immerhin grob in der Nähe meines fränkischen Geburtsortes.

Viernheim und Ansbach zeigen auch, dass es eben nicht immer die Touristenhochburgen und Großstädte sind. Wir leben nirgendwo mehr auf einer Insel der Glückseligkeit.

Das ist nun leider auch alles Wasser auf den Mühlen gewisser Gruppierungen, denn in einem haben sie dummerweise recht: Es müsste einiges anders gehandhabt werden in diesem unserem Lande. Nur wird dieses „anders“ unterschiedlich interpretiert.

Ein Satz meiner Mutter, den sie gerne wiederholt hat, ist mir da ganz arg in Erinnerung. (Jaja, irgendwoher muss meine Ader ja sein, Apfel und Birnbaum und so …) Sie war eigentlich eine ganz und gar unpolitische Frau, ging nur aus Prinzip wählen und kreuzte auch aus Prinzip immer das Gleiche an. Aber manchmal kommentierte sie das politische und weltliche Geschehen: „Pass auf, es wird nicht besser, sondern schlimmer werden. Und irgendwann steht dann wieder einer auf und übernimmt das Ruder. Und wieder wird ihn keiner aufhalten, sondern alle werden ihm nachrennen.“

Hm. Ich hoffe doch nicht. Aber die Stimmung scheint schon sehr danach …

Wer Visionen hat,

sollte zum Arzt gehen!*

Würde mir aber nichts nützen …

Nicht oft, aber doch mehr als manchmal sehe ich in meinen Träumen Dinge/Sachen/Ereignisse, die sich Wochen oder Monate später dann als – hm, Vorahnung herausstellen. Ich weiß nie, wann das passiert, ich kann es nicht steuern oder bewusst provozieren. Ich kann mich später nur erinnern und Zusammenhänge herstellen. Und eigentlich ziemlich entspannt damit umgehen.

Aber nicht immer. Oft genug wache ich voller Angst auf, Traumfetzen im Hirn, orientierungslos, panisch. Tröstlich ist dann die Nähe vom MannMitHut, die mich wieder erdet und mich wieder einschlafen lässt, sobald ich die Situation sortiert habe.

Manchmal kann ich die Traumbilder bis ins Detail rekonstruieren. Und manchmal bleibt außer diffusen Traum-Fetzen und beunruhigenden Gefühlen und Stimmungen nichts übrig. Und sehr, sehr manchmal – so wie heute Nacht – verblassen die Träume sehr schnell, aber die Botschaft bleibt glasklar im Kopf.

Der Terror wird näher kommen. Sehr nahe. Zu nahe.

Und DAS macht mir Angst. Ich hoffe sehr, ich interpretiere fehl.

 

P. S.: Nein, ich habe mich nicht intensiv mit Nizza und der Türkei auseinandergesetzt. Ich habe die Schlagzeilen gelesen und die Geschehnisse zur Kenntnis genommen. Mehr nicht.

 
(*Helmut Schmidt’sche Schnauze.)

 

 

Mors certa, hora incerta

Du erfährst von einem Tod im entfernten Bekanntenkreis, denkst erst „Wie jetzt, einfach umgefallen und tot? Der war doch erst 49?!“ und dann „F***, die Einschläge kommen echt näher!“

Der Tod ist gewiss, die Stunde nicht.

Haben Sie Ihren Liebsten heute schon Ihre Liebe ausgesprochen? Tun Sie es. Sie wissen nicht, ob Sie morgen noch dazu kommen.

Aus Gründen!

Eigentlich lebe ich ja nach dem Motto: Ich muss mich und meine Ansichten/Lebensweisen nicht rechtfertigen, ich bin niemandem (außer vielleicht mir selbst) Erklärungen schuldig.

Das funktioniert auch recht gut, so lange die Sprache nicht auf ein bestimmtes Thema kommt: Kinder. Nicht zu glauben, dass die einfache Frage „Warum habt ihr denn keine Kinder?“ bei mir einen dermaßenen Rechtfertigungs-Zugzwang und Defensiv-Modus auslöst … Statt einfach zu sagen „Aus Gründen!“, werde ich stammelig und innerlich ganz klein, bringe diesen und jenen Grund und sellen auch noch und außerdem und so … Mich hat das letztens im nachhinein tierisch geärgert, dass ich wieder in dieser Falle saß und mein Selbstbewusstsein so absolut abgelegt hatte.

Ich mein, jeder der einzelnen Gründe, die ich habe, sind für sich genommen und insgesamt durchaus auch wirkliche GRÜNDE – die natürlich auch entsprechend bekräftigt oder entkräftet werden könnten -, aber letztendlich muss ich doch meine Entscheidung gegen Kinder doch nicht verteidigen?
Seltsamerweise funktioniert das in vielen anderen Bereichen richtig gut.

Wenn ich das bittedanke doch auch noch lernen könnte? Beim nächsten KinderJaNein-Kreuzverhör einfach sagen: AUS GRÜNDEN!