Wenn Du denkst, Du denkst,

dann denkst Du nur, Du denkst.
Wenn Du denkst, Ostern sind ja quasi vier Feiertage und danach kannst Du doch nochmal vier Tage ein bisschen Pause machen – dann kommt das Leben daher, lacht mal kurz laut auf und legt noch ein paar Neckarkiesel mehr in den Weg.

Schreib ich jetzt nen MeckerUndJammer-Post oder doch eher nicht?

Eigentlich sollte der Aufhänger der Zahnspangen-Post von hier sein. Weil, da kann ich aus eigener Lebenserfahrung mitreden. Und habe inzwischen sogar wieder den lange verdrängten Namen von diesem ekelhaften Kieferorthopäden präsent, der mir dieses Kindheitstrauma beschert hat. Trotz der mehr als 30 Jahre seitdem machen diese Erinnerungen was mit mir.

Andererseits: Was Kinder so alles ertragen. Und ich habe damals weiß Gott gelitten. Mehrmals. Einmal, weil mir zwei gesunde Zähne gezogen wurden, damit zwei andere gesunde Zähne, die etwas unorthodox wuchsen, Platz hatten, an den sie mithilfe der festen Zahnspange gezwängt wurden. E-kel-haft.
Zweimal musste ich OPs über mich ergehen lassen, weil im Unterkiefer nicht erstmal die Milchzähne wuchsen, wie sich das gehört. Nee, die Zahnknäulchen blieben im Kiefer und haben mal die bleibenden Zähne vorgeschickt, um die Lage zu checken. Während die erste OP noch recht glimpflich lief und das Milchzähnchen in einem Stück das Bett verlassen hat, war die zweite OP die Beseitigung eines 500-Teile-Puzzles und dauerte laaaaaaange.
Die einzige Unterstützung, die ich damals hatte, war meine Klassenlehrerin. Wenn nämlich Ihre Mutter sagt, Sie gehen in die Schule, scheißegal, ob die Backe dick und grün und blau und gelb und schmerzhaft ist, dann stellen Sie das nicht in Frage. Sie gehen in die Schule. Schmerzen? Was! Stell Dich nicht so an! So war das nämlich. Die Klassenlehrerin hat mich dann umgehend wieder nach Hause geschickt, meine Mutter einbestellt und äh, Klartext geredet. Nein, ich hab mich darüber nicht gefreut. Mir war’s peinlich und ich durfte die schlechte Laune dann ausbaden.

Das half allerdings nicht gegen die Plage, die ich viele Jahre (sechs, sieben, acht?) lang erduldet habe: Feste Zahnspange. Der Kieferorthopäde – Tomislav. Er hieß Tomislav. – war knoblauchtechnisch zwei Kilometer gegen den Wind auszumachen,  dick und hatte  dicke Wurstfinger, die da in meinem Mund rumfuhrwerkten. Mitleidlos und rücksichtslos. Wir sind ja nicht zum Vergnügen hier. Und jedesmal beim Rausgehen aus der Praxis neue höllische Schmerzen, weil der den Draht wieder enger gezogen hatte.  Jahrelang. Was hat mehr weh getan? Die Zähne oder der Haudrauf der Mitschüler? Heute würde man das als Mobbing bezeichnen, aber ich habe noch ganz andere Sachen ertragen. Passte ja auch zu meiner gefühlt hässlichen Visage und zu meiner wunden Seele. Lach doch mal! Du bist immer so ernst! Ich will ein fröhliches Mädchen haben!

Wenn in Ihrem Mund alles von den scharfkantigen Brackets aufgerissen und wund ist, Sie Schmerzen haben wie Sau, kaum essen können, Demütigungen ertragen und bösartige (!) Mitschüler-Kommentare – dann sind Sie definitiv kein fröhliches Kind!
Aber: Jammern gilt nicht. Anderen Kindern geht es schließlich genauso.

Soviel also mal zu meiner leidvollen Zahn-Vergangenheit.

Zurück ins Hier und Jetzt, wo ganz andere Dinge ihrer Bewältigung harren. Spannend isses ja doch im Moment. Und leider auch energieraubend, daran hat sich noch nichts geändert.

Wenn Sie selbständig sind, dann setzen Sie sich mit Dingen wie DSGVO auseinander, weil Sie keinen Chef und keine Abteilung haben, der/die dafür zuständig wäre. Sie kümmern sich auch um tausend andere Sachen und außerdem darum, dass Sie mal mindestens ein Bein auf den Boden bekommen. Aber: Trotzdem macht es Spaß, denn Sie machen Ihr eigenes Ding. Das Ihr Baby ist, Ihr Herzensblut, Ihre Vision einer besseren Welt. Manchmal schweben Sie 10 Zentimeter über dem Boden, manchmal haben Sie kiloschwere Neckarkiesel auf den Schultern. So ist das.

Wenn im Kleinhäuschen die Heizungsanlage zickt, dann kümmern Sie sich darum, weil Sie es nicht an einen Vermieter abschieben können. Mit Sorgenfalten auf der Stirn gucken Sie das Dach an, weil eine Grundreinigung dringend notwendig wäre. Sie rennen der Instandhaltung hinterher und würden doch eigentlich viel lieber Energie in die Renovierung und Aufhübschung stecken. Aber als erstes sorgen Sie für ein Stück neuen Gartenzaun, damit das bunte Katz nicht mehr über vier Gärten weg strawanzen gehen kann! Ach, wenn Sie schon dabei sind, graben Sie gleich den ganzen Garten mit um, erstens müssen Sie die Rattengänge freilegen, zweitens wollen Sie sowieso keine Wiese mehr haben. Dumm nur: Wenn Schönwetter für die Gartenarbeit ist, gehen Sie anderweitig arbeiten. Wenn Zeit wäre, regnet es oder was anderes ist dringender.
So ist das.

Unser Gästezimmer ist zum Beispiel immer noch keines. Wenn, dann soll ja auch das Minibad da drin vergrößert werden, das ist Innenausbau, Parkettboden, Holzdecke, Wände, ein neues Fenster, Keramikabteilung und Interieur gleichzeitig. Nicht unbedingt „mal eben“!

Und war da nicht mal das Thema Versicherungen irgendwo im Raum gestanden? Ach je, das private Büro müsste auch mal wieder liebevoll gepflegt werden. Wenn aber dann plötzlichst der MannMitHut die Order bekommt, am nächsten Tag früh für drei Tage aushäusig zu sein, dann ist es halt doch mal wichtiger, den Bügelwäschekorb leerzumachen. Und die Pläne für die freien Tage zu ändern.

Und ganz ehrlich: Ich WILL auch einfach mal mir die Zeit für mich nehmen. Ich will nicht nur, ich muss sogar. Obacht, sagt der Körper, übertreibs net, sonst streike ich. Du willst nicht hören? Okay, hier hast Du Wachliegen ab drei Uhr morgens, brutale Müdigkeit, Hitzewallungen und Kopfschmerzen. Und Albträume. Hörst Du mich jetzt endlich?
Dann darf auch Zeit für die Nähmaschine, für die Stricknadeln, für das Bücherregal und für Inspirationen sein. So ist das.

Ach so, ja, ein Eheleben sollte ich ja auch noch haben. Hab ich auch. Den MannMitHut. Zum Glück. So ist das.

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